Johannes
Paul der II.
O heilige Dreifaltigkeit! Wir danken dir, dass du der Kirche Papst Johannes Paul II. geschenkt hast und dafür, dass Du in ihm die Zärtlichkeit Deiner Väterlichen Liebe, die Herrlichkeit des Kreuzes Christi und den Glanz des Geistes der Liebe hast erstrahlen lassen. Er hat sich ganz und gar Deiner unbegrenzten Barmherzigkeit sowie der mütterlichen Fürbitte Mariens anvertraut und gab uns so ein lebendiges Bild von Jesus, dem guten Hirten. Er hat uns die Heiligkeit als hohen Maßstab für ein christliches Leben im Alltag aufgezeigt, welches auf diese Weise ein Weg zur ewigen Gemeinschaft mit Dir werden kann. Gewähre uns, wenn es Deinem Willen entspricht, durch seine Fürbitte die Gnade, die wir in der Hoffnung erflehen, dass er bald unter Deine Heiligen gezählt wird. Amen.
Das offizielle Gebet zur Eröffnung der Seligsprechung Johannes Pauls II.
Johannes Paul II.
Johannes Paul II., bürgerlich Karol Józef Wojtyla (Aussprache)
(* 18. Mai 1920 in Wadowice bei Krakau, Polen; † 2. April 2005
Vatikanstadt) war der 264. Papst in der Geschichte der Römisch-Katholischen
Kirche. Sein Pontifikat vom 16. Oktober 1978 bis zum 2. April 2005 prägte
nachhaltig sowohl die Endphase des Kalten Krieges als auch die Zeit
danach. Johannes Paul II. war der Papst mit der längsten historisch
belegbaren Amtszeit nach Pius IX.. Sein Vorgänger war Papst Johannes
Paul I., dessen Pontifikat nur 6 Wochen dauerte.
Leben
Kindheit und Jugend
Karol Wojtyla wurde in Wadowice, einer Kleinstadt bei Krakau, als Sohn
eines ehemaligen k.u.k. Offiziers geboren, der als Schneider tätig
war. Seine Mutter, Emilia Kaczorowska, starb, als Karol neun Jahre alt
war. Als Karol 12 Jahre alt war, verlor er seinen Bruder Edmund, der
am 5. Dezember 1932 als junger Mediziner an Scharlach starb.
Karol Wojtyla mit 12 Jahren
Ab 1930 besuchte er das Gymnasium und wirkt ab 1934 bei Theateraufführungen
mit. Wojtyla galt als strebsamer Schüler und beendete die Schule
mit Bestnoten. Im Sommer 1938 siedelte er mit dem Vater nach Krakau
über und schrieb sich zum Studium der Philosophie und Literatur
in der Jagiellonen-Universität ein. Drei Jahre später, im
Jahre 1941, starb sein Vater.
An der Universität schloss sich Wojtyla der Experimentaltheatergruppe
„Studio 39“ an, in der er bis 1943 wirkte. Nach dem Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges wurde die Universität von der deutschen
Besatzungsmacht geschlossen und viele bedeutende Professoren verhaftet.
Wojtyla führte seine Studien fort, wurde aber zur Zwangsarbeit
in einem Steinbruch sowie vom Frühjahr 1942 bis August 1944 in
einer Chemiefabrik verpflichtet. So konnte er auch seine Deportation
zur Zwangsarbeit nach Deutschland verhindern.
Wadowice und Krakau sind Orte, die bis zum Zweiten Weltkrieg
sehr stark durch die jüdische Kultur beeinflusst waren. Sie wurden
prägend für Wojtylas positives Verhältnis zum Judentum.
Seine Interessen waren breit gefächert; groß war sein Engagement
im rhapsodischen Theater. Im Oktober 1942 trat er ins geheime Priesterseminar
der Erzdiözese Krakau ein. Von da an bis zum Kriegsende fand er
Zuflucht in der Residenz des Erzbischofs Adam Stefan Sapieha.
Priester und Professor
Am 1. November 1946 empfing er die Priesterweihe von Kardinal Sapieha
und promovierte in den folgenden zwei Jahren auf dessen Anweisung in
Rom über die Theologie und Mystik des Heiligen Johannes vom Kreuz.
Am 3. Juli 1947 erwarb er ein Lizenziat der Theologie. Im Juni 1948
erhielt er nach Abschluss seiner Dissertation das Doktorat der Philosophie.
Im Anschluss war er als Kaplan in Niegowice bei Gdów und später
in der Krakauer Studentenkirche St. Florian tätig, wo er schon
bald für seine Predigten bekannt war. Seine unkonventionelle Art
machte ihn zu einem beliebten Ansprechpartner unter den katholischen
Studenten. Karol kehrte nach Polen zurück und promovierte bis Ende
1949 auch in Theologie.
Anschließend unterbrach er seine seelsorgerische
Tätigkeit, um zu habilitieren. In den folgenden Jahren vertiefte
er seine philosophischen und ethischen Studien und bekam 1954 einen
Lehrauftrag für Philosophie und Sozialethik an der Katholischen
Universität von Lublin.
Bischof und Kardinal
Am 28. September 1958 wurde er zum Weihbischof von Krakau geweiht. Wojtyla
nahm aktiv am Vatikanum teil; sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der
Religionsfreiheit (Dignitatis humanae) und einer zeitgemäßen
Verkündigung der kirchlichen Lehre (Gaudium et Spes). 1964 folgte
er Kardinal Sapieha im Amt des Erzbischofs von Krakau. Sein Episkopat
in Krakau ist vor allem durch eine „sanfte“ Konfrontation
mit dem kommunistischen Regime Polens geprägt. Sein Beharren auf
dem Bau einer Kirche in der neu gegründeten Arbeiterstadt Nowa
Huta und seine Predigten, in denen er oft die freie Ausübung der
Religion für alle Polen forderte, zeigte ihn als unerschrockenen
Antikommunisten.
Die Kardinalswürde erhielt er am 26. Juni 1967.
Im Jahre 1974 besuchte er Deutschland und zelebrierte mit Kardinal Döpfner
eine Versöhnungsmesse im ehemaligen KZ Dachau. Im September 1975
zelebrierte er mit Bischof Joachim Meisner, den er später zum Kardinal
ernannte, den Wallfahrtsgottesdienst in Erfurt.
Anfangsjahre
Wappen von Johannes Paul II.
Am 16. Oktober 1978 wurde er beim Konklave in der Sixtinischen Kapelle
als Nachfolger des am 28. September 1978 verstorbenen Johannes Paul
I. zum Papst und Bischof von Rom gewählt. Damit war er der erste
nicht-italienische Papst seit Hadrian VI. (* 1459 in Utrecht, heute
Niederlande) sowie der erste slawische Papst der Kirchengeschichte.
Johannes Paul war bei seiner Wahl mit 58 Jahren der jüngste Papst
seit Pius IX.. Zudem war er in außerordentlich guter körperlicher
Verfassung. Im Gegensatz zu anderen Päpsten vor ihm trieb er in
jener Zeit noch Sport, er schwamm und fuhr regelmäßig Ski.
Bereits am 25. Januar 1979 begab sich der Papst auf die erste von insgesamt
104 Auslandsreisen in die Dominikanische Republik, nach Mexiko und auf
die Bahamas. Am 4. März folgte die Antrittsenzyklika Redemptor
hominis, die ihn als Papst der Menschenrechte erscheinen ließ
und den markanten Satz enthielt: Der Weg der Kirche ist der Mensch.
In den ersten Jahren seines Pontifikats standen das Beharren auf der
Religionsfreiheit und eine damit verbundene Konfrontation mit den kommunistischen
Regimes Osteuropas im Vordergrund. Die polnische Parteiführung
konnte eine Pastoralreise in die Heimat aufgrund der Popularität
des Krakauers nicht verhindern. Vom 2. Juni bis 10. Juni 1979 besuchte
er zum ersten Mal als Papst sein Heimatland Polen.
Weitere Reisen in den Jahren führten ihn nach Zentralafrika
und Ostasien, im November 1980 besuchte er erstmals als Papst die Bundesrepublik
Deutschland, 1983 erstmals Österreich.
Das Attentat von 1981
Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet
Ali Agca auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Johannes Paul II.
Dieser wurde dabei durch drei Kugeln schwer verletzt und 20 Tage lang
in der Gemelli-Klinik behandelt. Am 20. Juni 1981 wurde er erneut wegen
der Schussverletzungen in die Klinik gebracht und nach einer Operation
am 14. August wieder entlassen.
Die Hintermänner wurden beim sowjetischen Geheimdienst
KGB vermutet. Es blieb allerdings lange Zeit eine Vermutung, da Agca
sich bis März 2005 beharrlich über die Hintergründe des
Attentats ausschwieg. Inzwischen behauptet er, Unterstützung aus
dem Vatikan erhalten zu haben und möchte demnächst ein Buch
herausgeben. Aus den bislang gefundenen Unterlagen gebe es keine Hinweise
auf die Verstrickung der DDR, des bulgarischen Geheimdienstes oder des
KGB. Aufsehen erregte der Papst, als er den Attentäter, dem er
schon auf dem Krankenbett vergeben hatte, nach der Genesung im Gefängnis
besuchte. Da der Tag des Attentats auf den Tag fiel, an dem sich in
Fátima die erste Marienerscheinung ereignet hatte, schrieb Johannes
Paul II. seine Rettung der Gottesmutter zu und bedankte sich mit einer
Wallfahrt in den portugiesischen Wallfahrtsort. Dabei brachte er das
Geschoss, das ihm aus dem Bauch entfernt worden und inzwischen vergoldet
und in eine kleine Krone gefasst war, der Madonna von Fátima
als Geschenk dar. Die Madonna trägt bis heute diese Krone mit der
Kugel auf dem Kopf.
Während dieser Pilgerreise versuchte ein ultrakonservativer
katholischer Priester mit einem Bajonett ein weiteres Attentat auf den
Papst zu verüben, konnte jedoch von dessen Leibwächtern überwältigt
werden. Der Attentäter begründete sein Handeln mit der "Rettung"
der katholischen Kirche vor den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen
Konzils.
Weiterer Verlauf
1987 besuchte der Papst erneut Deutschland (nochmals 1996), 1988 Österreich
(nochmals 1998). Am 1. Dezember 1989 wurde der damalige Generalsekretär
der KPdSU Michail Gorbatschow als einziger in der Geschichte der Sowjetunion
vom Papst im Vatikan empfangen. Am 15. Juli 1992 wurde Johannes Paul
II. ein gutartiger Tumor aus dem Dickdarm entfernt. Am 29. April 1994
brach er sich den Oberschenkel beim Sturz in seinem Badezimmer und trug
seitdem ein künstliches Hüftgelenk. Im Dezember desselben
Jahres kürte ihn das US-Magazin Time zum Mann des Jahres, mit der
Begründung, er setze sich in besonderer Weise für Werte ein.
Am 15. Januar 1995 nahmen in Manila vier Millionen Menschen am größten
Gottesdienst in der Geschichte der römisch- katholischen Kirche
teil. Dies war zugleich die größte Menschenansammlung, die
die Welt bisher erlebt hat. Im März des Heiligen Jahres 2000 besuchte
er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und betete an
der Klagemauer. Als erster Papst betrat er am 6. Mai 2001 in Damaskus
eine Moschee (Omajjaden-Moschee). Drei Jahre später, besuchte er
am 5. und 6. Juni das nationale katholische Jugendtreffen in Bern (Schweiz),
und am 14. August 2004 den französischen Krankenwallfahrtsort Lourdes.
1979 beauftragte Johannes Paul II. die Päpstliche
Akademie der Wissenschaften, den berühmten Fall Galileo Galilei
aufzuarbeiten. Am 31. Oktober 1992 wurde der Kommissionsbericht übergeben
und Johannes Paul II. hielt eine Rede, in der er das gegenseitige Missverstehen
von Wissenschaft und Kirche bedauerte.
Papst Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit 473 Heiligsprechungen
vorgenommen. Die Zahl aller von seinen Vorgängern in den letzten
400 Jahren insgesamt heiliggesprochenen Personen ist nur etwa halb so
hoch. Er sprach auch die italienische Kinderärztin Gianna Beretta
Molla als eine von wenigen verheirateten Frauen heilig - sie gilt als
Vorbild der Abtreibungsgegner. Die Selig- und Heiligsprechung des umstrittenen
Opus-Dei-Gründers Josemaria Escrivá führte zu Kritik
innerhalb der Kirche.
Am 24. März 2004 wurde in Rom Johannes Paul II.
der außerordentliche Karlspreis der Stadt Aachen für seinen
Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Europa verliehen.
Dies war die erste weltliche Ehrung, die Johannes Paul II. bereit war
entgegenzunehmen.
Krankheit und Tod
Johannes Paul II. während der Generalaudienz am 29. September 2004
im Vatikan
Der sich kontinuierlich verschlechternde Gesundheitszustand Johannes
Paul II. prägte die letzten Jahre seines Pontifikats. Insbesondere
Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten beim Sprechen, hervorgerufen
durch die Parkinson-Krankheit, konnten in zunehmendem Maße bei
öffentlichen Auftritten beobachtet werden. Des weiteren litt er
unter den Folgen des Attentats und angeblich einer schweren Arthritis
im rechten Knie als Folge einer Hüftoperation.
Dies alles prägte mit der Zeit das Bild eines körperlich
angeschlagenen Papstes, obwohl Johannes Paul II. sich anfangs gerade
durch seine ungewöhnlich gute körperliche Verfassung auszeichnete.
Die zunehmenden Einschränkungen führten schließlich
vermehrt zu Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt,
eine Möglichkeit, von der in der Geschichte der Römisch-Katholischen
Kirche nur selten Gebrauch gemacht wurde. Johannes Paul II. erklärte
hierzu, er lege seine Amtszeit in Gottes Hände und lehnte einen
Rücktritt hiermit indirekt ab. Diese Überzeugung äußert
sich auch in entsprechenden Anmerkungen in seinem Testament.
Anfang 2005 kam es dann aber zu einer drastischen Verschlechterung
seines Gesundheitszustandes, was zunehmend zu offenen Spekulationen
über ein baldiges Ableben des Papstes führte. Am 1. Februar
2005 wurde Johannes Paul II. wegen Kehlkopfentzündung und Atemnot
in die Gemelli-Klinik in Rom gebracht. Nachdem er zwischendurch am 10.
Februar entlassen werden konnte, musste er aufgrund eines Rückfalls
bereits am 24. Februar wieder eingeliefert werden. Am selben Tag wurde
ein Luftröhrenschnitt durchgeführt.
Am 13. März 2005 kehrte Johannes Paul II. wieder
in den Vatikan zurück, konnte aber erstmals in seiner Amtszeit
an den Osterfeierlichkeiten nicht aktiv teilnehmen, sondern zeigte sich
den Pilgern am Ostersonntag nur stumm am Fenster seines Arbeitszimmers
zur Spende des traditionellen Segens Urbi et Orbi. Am 30. März
2005 ließ sich der Papst erneut zum üblichen Mittwochstermin
am Fenster seiner Privatgemächer sehen. Er erlitt einen Hustenanfall
und hatte sichtlich Schmerzen. Zugleich gab der Vatikan bekannt, dass
der Papst über eine Magensonde ernährt werde. Es war der letzte
öffentliche Auftritt des Papstes.
Am 31. März 2005 verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand
erneut, und dem Papst wurde die Krankensalbung gespendet. Nach Angaben
des Vatikans hatte er nach einer Harnwegsinfektion einen septischen
Schock und einen Herzkreislaufkollaps erlitten; er sei jedoch heiter
gewesen und habe am Morgen des 1. April die Eucharistie gefeiert.
Im Alter von 84 Jahren verstarb Papst Johannes Paul II.
am 2. April 2005 um 21:37 Uhr MESZ in seinen Privaträumen im Vatikan.
Einen erneuten Krankenhausaufenthalt und intensivmedizinische Behandlung
hatte er selbst abgelehnt.
Zuvor hatte er nacheinander seine engsten Mitarbeiter
empfangen. Eines seiner letzten Worte richtete er schriftlich an die
ihn umsorgenden Nonnen und Priester seiner polnischen Heimat: „Ich
bin froh, seid Ihr es auch!“.
Beisetzung
Der Tod von Johannes Paul II. wurde von der katholischen Kirche und der Weltöffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit bedacht.
Aufbahrung Johannes Pauls II. im Petersdom
Begleitet von intensiver Berichterstattung kam es zunächst zu Versammlungen in vielen größeren Metropolen und anschließend zu einer Pilgerbewegung nach Rom, wo am Abend des 4. April der Leichnam aufgebahrt wurde. Bereits während des ersten Tages erwiesen eine halbe Million Menschen dem verstorbenen Papst die letzte Ehre.
Zur Totenmesse am 8. April 2005 auf dem Petersplatz waren 3,5 Millionen Pilger nach Rom gekommen; viele davon aus seiner polnischen Heimat. 200 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sowie hohe geistliche Vertreter verschiedener Religionen (u. a. der Metropolit von Moskau und der Patriarch der griechisch-orthodoxen Kirche sowie der Papst der Koptischen Kirche) wohnten der Zeremonie bei. Die Totenmesse wurde vom deutschen Kardinal Joseph Ratzinger geleitet, dem Dekan des Kardinalskollegiums, der durch das Konklave wenige Wochen später zum Nachfolger Johannes Paul II. gewählt wurde (Benedikt XVI.). Die angereisten Pilger begleiteten die Messe und das Heraustragen des Sarges mit anhaltendem Beifall. Johannes Paul II. wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit unter dem Hauptaltar des Petersdoms beigesetzt.
Es war eine der größten Beisetzungszeremonien in der Geschichte des Christentums.
Seligsprechung Johannes Pauls II.
Die Forderung nach Seligsprechung wurde sehr schnell nach dem Tod Johannes Pauls II.
laut. Bereits bei der Beerdigung riefen Sprechchöre auf dem Petersplatz: "Santo subito",
zu deutsch: Sofort heilig. Es wurden zahlreiche Spruchbänder entrollt, viele Kardinäle
äußerten sich ebenfalls in diese Richtung. Am 13. Mai gab Papst Benedict XVI. bekannt,
das Verfahren zur Seligsprechung vorziehen zu wollen. Nach Kirchenrecht muss der Tod
der Person, die seliggesprochen werden soll, eigentlich 5 Jahre zurückliegen. Der Papst
kann dies Kraft seiner Autorität jedoch verkürzen - Johannes Paul II. tat dies ebenfalls
2003 bei der Seligsprechung Mutter Theresas. Das offizielle Verfahren zur Seligsprechung
Johannes Pauls II. wurde am 28. Juni eröffnet. Der römische Kardinalvikar Ruini dazu:
"Die Überzeugung, dass er ein Heiliger ist, ist tief und allgemein verbreitet"
advocatus diaboli
Der Prozeß der Seligsprechung beinhaltet im wesentlichen eine Prüfung der Lebensführung des
Betreffenden sowie den Nachweis, dass er nach seinem Tode Wunder bewirkt habe. Das Verfahren
findet unter Geheimhaltung statt. Ein zum Anwalt bestellter Priester wird die Sache Johannes
Pauls II. vertreten; ihm gegenüber wird ein anderer zum advocatus diaboli - dem Anwalt des
Teufels - bestellt, der nach Gegenargumenten zu suchen hat. Berichte über Wunder sollen vorliegen:
So berichtete eine Polin, die zehn Jahre lang vergeblich versuchte, ein Kind zu bekommen, sie sei
nach dem Anblick des aufgebahrten Johannes Paul schwanger geworden.
Wird ein vorbildlicher Christ selig gesprochen, dann darf er offiziell verehrt werden.
Dies ist die Vorstufe zur Heiligsprechung.
Kirchenpolitik
Die Amtszeit von Johannes Paul II. war geprägt von einer verstärkten
Wahrnehmung der repräsentativen Aspekte des Papstamtes. Dies zeigte
sich von Anfang an vor allem durch zahlreiche Auslandsreisen, Pastoralbesuche
genannt. Sie trugen ihm rasch den Spitznamen "(H)eiliger Vater"
ein. Außerdem wurde der Dialog mit anderen Kirchen und Religionen
ausgebaut.
Interreligiöser Dialog
Johannes Paul II. setzte sich stärker als seine Vorgänger
für den interreligiösen Dialog ein, insbesondere mit dem Judentum,
dessen Vertreter er als die "älteren Geschwister der Christen"
bezeichnete, und dem Islam. Sichtbaren Ausdruck fanden diese Bemühungen
vor allem bei dem ersten Weltgebetstreffen der Religionen am 27. Oktober
1986 in Assisi, das seither an verschiedenen Orten wiederholt wurde.
Am 13. April 1986 besuchte Johannes Paul in Rom als erster Papst eine
Synagoge. Ähnlich spektakulär war seine Visite in der Omajaden-Moschee
zu Damaskus.
Am 16. März 1998 beklagte der Vatikan in dem Dokument
Nachdenken über die Shoa die Mitschuld von Christen am Holocaust.
Das päpstliche mea culpa am 12. März 2000 wurde als historischer
Akt bezeichnet. Johannes Paul II. hatte darin kirchliche Verfehlungen
im Zusammenhang von Glaubenskriegen, Judenverfolgungen und Inquisition
eingestanden. Kurz darauf folgte am 20. März eine Pilgerreise nach
Israel, Jordanien und in die Palästinensergebiete, bei der der
Papst an der Klagemauer betete und in Bethlehem und Nazareth Eucharistie
feierte. Bereits am 30. Dezember 1993 konnte in Jerusalem der Grundlagenvertrag
mit Israel über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnet
werden.
Ökumene
Ein besonderes Anliegen des Papstes war die Ökumene.
Bei seinem ersten Deutschlandbesuch 1980 wurde eine katholisch-lutherische
Kommission eingesetzt, deren Arbeit in die 1999 von der römisch-katholischen
Kirche und dem Lutherischen Weltbund in Augsburg unterzeichnete Gemeinsame
Erklärung zur Rechtfertigungslehre mündete. Johannes Paul
II. war der erste Papst, der eine lutherische Kirche besuchte. Er stellte
aber auch fest, dass die unterschiedlichen Auffassungen von der Eucharistie
bzw. vom Abendmahl eine Interkommunion zur Zeit nicht möglich machen.
Andererseits hat Papst Johannes Paul II. eine Vielzahl
von Lehrentscheidungen getroffen, die in der westeuropäischen und
nordamerikanischen Kirche für heftige Kontroversen gesorgt haben,
so das am 17. April 2003 veröffentlichte Dokument Ecclesia de Eucharistia,
in dem er das bestehende kirchliche Verbot, die Eucharistie zusammen
mit Vertretern anderer Konfessionen zu feiern, erneuerte.
Auch die von der Kongregation für die Glaubenslehre
verfasste und von Johannes Paul II. bestätigte Erklärung Dominus
Jesus, in der der evangelischen Kirche der Rang als gleichberechtigte
Partnerin der katholischen Kirche abgesprochen wird, wurde insbesondere
im konfessionell gemischten Deutschland heftig kritisiert. Seitens der
evangelischen Kirchen wird aber auch festgestellt, dass die Erklärung
Dominus Jesus inhaltlich keine neue Position darstellt. Man stößt
sich besonders am Stil und am Zeitpunkt der Erklärung. In Dominus
Jesus wird dargelegt, dass sich die katholische Kirche in einem anderen,
nämlich sakramentalen Sinne als Kirche versteht, als es die evangelischen
Kirchen von sich tun.
Auch in Bezug auf die orthodoxen Kirchen kam es zu Annäherungen.
Innerkirchliche Angelegenheiten
Umstrittene Bischofsernennungen, beispielsweise diejenige von Wolfgang
Haas in Chur und später in Liechtenstein, Hans Hermann Groër
in Wien und Kurt Krenn in St. Pölten, sorgten immer wieder für
Konflikte. Als Johannes Paul II. 1988 gegen den Widerstand des Domkapitels
Joachim Meisner als neuen Erzbischof von Köln durchsetzte, protestierten
mehr als 160 katholische Hochschullehrer öffentlich gegen den "römischen
Zentralismus". In Österreich führte die Affäre Groër
im März 1995 zu einem Kirchenvolksbegehren. Die Initiative Wir
sind Kirche sammelte mehr als 500.000 Unterschriften für eine "grundlegende
Erneuerung der Kirche Jesu". Reformen seinen notwendig, um der
katholischen Kirche "wieder zu mehr Ansehen und Akzeptanz zu verhelfen".
Johannes Paul II. machte in Glaubens- und Moralfragen
keine Kompromisse. Kritiker warfen ihm vor, er lasse missliebige Theologen,
Priester, Ordensleute und Bischöfe wie Tissa Balasuriya (Sri Lanka),
Leonardo Boff (Brasilien), György Bulányi (Ungarn), Edward
Schillebeeckx (Belgien), Bischof Jacques Gaillot (Frankreich) und Erzbischof
Raymond Hunthausen (USA) "inquisitorisch verfolgen".
Johannes Paul II. ließ am 17. Mai 1993 den ersten
Weltkatechismus seit 1566 herausgegeben, in dem Glaubenslehre und Moral
behandelt werden.
Weltpolitik
Johannes Paul II. griff direkt und indirekt in das weltpolitische Geschehen
ein. Bereits die Tatsache, dass mit ihm ein Bürger eines sozialistischen
Landes zum Papst erwählt wurde, war ein Politikum.
Er verstand es, durch das Empfangen oder Besuchen von
politischen Größen diese - aber auch den Vatikan selbst -
aufzuwerten. So war er das erste Staatsoberhaupt, das am 15. September
1982 Jassir Arafat eine Audienz gewährte. Ebenso empfing er am
24. April 1985 dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Im
Januar 1998 erlebte Johannes Paul II. eine triumphale Reise nach Kuba
mit einem in seiner Haltung zur Kirche stark gewandelten Fidel Castro.
In besonderen Fällen äußerte er sich
aber auch direkt zur aktuellen Politik. Im Jahr 1999 sprach sich der
Papst zum Beispiel gegen den Kosovo-Krieg aus. Gegen den Irakkrieg im
Jahr 2003 äußerte er wiederholt und heftig seine Ablehnung.
Johannes Paul II. wird ein großer Einfluss auf
der Demokratisierung seines Heimatlandes Polen zugeschrieben. Die offene
Parteinahme für die antikommunistische Gewerkschaft Solidarnosc
gilt vielen als ein wesentlicher Beitrag zum Ende des Sozialismus in
Polen.
Wenig Verständnis zeigte Johannes Paul II. hingegen
für die Anliegen des Befreiungstheologen Oscar Romero, Bischof
in San Salvador, ermordet am 24. März 1980. Dieser kehrte enttäuscht
von einer Papstaudienz aus Rom zurück und kommentierte seine Begegnung
mit dem Papst mit den Worten: "Der Papst versteht mich nicht!"
Der Papst hatte auf Grund seiner Erfahrungen im kommunistischen Polen
die lateinamerikanische Befreiungstheologie wegen ihres Bündnisses
mit marxistischen Strömungen abgelehnt.
Nach der Bundesrepublik Deutschland erkannte der Vatikan
als zweites Land das katholische Kroatien als Staat an.
Empfängnisverhütung
Laut der von Papst Johannes Paul II. veröffentlichten Enzyklika
Evangelium Vitae sind die meisten Methoden zur Empfängnisverhütung
moralisch verwerflich. Johannes Paul II. stellte sich in die Tradition
von Papst Paul VI. und lehnte insbesondere auch Kondome und Methoden
zur hormonellen Empfängnisverhütung ab, welche gemäß
der Definition der katholischen Kirche eine "unfruchtbarmachende"
Wirkung haben. Johannes Paul II. war der Meinung, Sexualität und
Partnerschaft diene vor allem dem Zweck der Fortpflanzung und trat für
sexuelle Enthaltsamkeit ein.
Johannes Paul II. nahm auf seinen Reisen und auch gegenüber
der Weltbevölkerungskonferenz der UNO in Kairo Stellung gegen Pille
und Kondome. Kritiker warfen ihm eine Mitschuld am Bevölkerungswachstum
und der Ausbreitung von AIDS in manchen Ländern der dritten Welt
vor. Befürworter seiner Position wie Alfonso Kardinal López
Trujillo, Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie,
waren der Meinung, dass Werbung für sexuelle Enthaltsamkeit und
eheliche Treue ein effektives Mittel im Kampf gegen Überbevölkerung
und AIDS sei. Safer Sex-Kampagnen und das kostenlose Verteilen von Kondomen
würden zu einer Zunahme der Promiskuität führen und somit
zu einer Zunahme von AIDS.
Schwangerschaftsabbruch
Im Buch „Erinnerung und Identität - Gespräche an der
Schwelle zwischen den Jahrtausenden“ rief Johannes Paul II. dazu
auf, Gesetze zum Thema Abtreibung zu hinterfragen. Parlamente, die Gesetze
verabschiedeten, die Frauen einen Schwangerschaftsabbruch ermöglichten,
sollten sich bewusst sein, dass sie damit ihre Befugnisse überschritten
und in offenen Konflikt mit dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Natur
gerieten.
In den 1990er Jahren sprach sich Johannes Paul II. mit
Nachdruck gegen eine Lockerung der Gesetze in seinem Heimatland Polen
aus. Abtreibung sei „Mord“.
Unter Berufung auf sein Jurisdiktionsprimat veranlasste
Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe im Herbst 1999 dazu, bei
Schwangerenberatungen durch kirchliche Träger das Ausstellen einer
Beratungsbescheinigung zu verbieten, welche in Deutschland Voraussetzung
für eine straffreie Abtreibung bis zum dritten Schwangerschaftsmonat
ist. Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft verloren damit
ihre staatliche Anerkennung.
Die Mehrheit der deutschen Bischöfe wollte die katholische
Schwangerenberatung innerhalb des staatlichen Systems nicht aufgeben
und versuchte seit 1995 vergeblich, ihren Argumenten beim Papst Gehör
zu verschaffen. Die Bischöfe vertraten die Meinung, die katholische
Schwangerenberatung sei ein wichtiger Beitrag zum Schutz von ungeborenem
Leben. Nach dem Ausstieg der katholischen Kirche aus dem staatlichen
System kam es zur Gründung des gemeinnützigen Vereins Donum
Vitae, der die bisherige Arbeit der kirchlichen Träger fortsetzt
und weiterhin eine "katholisch geprägte Schwangerenberatung"
innerhalb des staatlichen Systems anbietet.
Gleichstellung von Mann und Frau
Während des Pontifikats Johannes Pauls gab es keine nennenswerten
Tendenzen zur Öffnung der kirchlichen Ämter für Frauen.
So dürfen bis heute Frauen in der Römisch-Katholischen Kirche
kein Weiheamt ausüben. Kritiker in westlichen Ländern fordern
seit langem eine stärkere Einbindung der Frauen und sehen die diesbezügliche
Auffassung des Vatikans nicht durch die Bibel gerechtfertigt.
2003 wurde erstmals in der Geschichte des Vatikans eine
Frau an die Spitze einer päpstlichen Akademie berufen. Letizia
Pani Ermini wurde von Johannes Paul II. zur Präsidentin der Akademie
für Archäologie ernannt.
Sexualethik
Auch unter Johannes Paul II. wurde der umstrittene Zölibat für
Priester nicht aufgehoben.
Ökologie
Für Johannes Paul II. war die fortschreitende Umweltzerstörung
ein moralisches Problem, eine Konsequenz der aus der Balance geratenen
Beziehung der Menschen mit der Schöpfung. Die Möglichkeit
der Vermeidung einer ökologischen Katastrophe sah er in der Rückbesinnung
auf christliche Werte. Ursachen der ökologischen Probleme waren
für ihn nicht nur politische Hindernisse wie Formen von übertriebenem
Nationalismus und ökonomische Interessen sondern insbesondere die
mangelnde Solidarität der Menschen. Johannes Paul II. forderte
immer wieder, Verantwortung für sich, für andere und für
die Erde zu übernehmen Er betonte deshalb die „ökologische
Berufung“ aller Christen, die eine Umkehr zu ökologisch tragfähigen
Lebensstilen und globaler Solidarität als ein unverzichtbares Glaubens-
und Lebenszeugnis in der modernen Gesellschaft propagiere. Sie sei Ausdruck
der Ehrfurcht vor dem Schöpfer und zugleich der Verantwortung für
künftige Generationen
Sozialethik
Neben seiner Kritik am Kommunismus war Johannes Paul II. auch ein scharfer
Kritiker des neoliberalen Kapitalismus. Im Gegensatz zu früheren
Zeiten, wo die Kirche nur allzu oft auf der Seite der Reichen stand,
nahm Johannes Paul II. energisch für die Rechte der Armen und der
Arbeitenden Partei und griff Ausbeutung und Verletzung von Menschenrechten
an, beispielsweise in seinen Enzykliken Laborem exercens (1981) Sollicituo
rei socialis (1987).
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